FAQ zu FMZ

Stefan Wundrak (Nuveen) beleuchtet die Hidden Benefits und Potenziale von Fachmarktzentren in Bezug auf Nachhaltigkeit.

Sind Fachmarktzentren (FMZ) nachhaltige Immobilien?

Auf den ersten Blick nicht wirklich. Da sie oft auf der grünen Wiese errichtet wurden und ebenerdig sind, ist der Flächenverbrauch hoch und die Anfahrt vor allem auf den Individualverkehr ausgerichtet. Beim genaueren Hinsehen sollte man die Einkaufsstätte jedoch auch mit den Alternativen vergleichen, etwa mit Onlineshopping, Ladenpassagen oder Einkaufszentren. Dazu gleich mehr.

Bei welchen Aspekten liegen FMZ denn vorn?

Fachmarktzentren bieten einige „Hidden Benefits“ in Sachen Nachhaltigkeit. Im Gegensatz zu Einkaufszentren bieten sie in der Regel weniger gemeinschaftlich genutzte Innenflächen, womit auch Energie für Heizung und Beleuchtung gespart wird. Zudem erlauben sie eine effiziente Anlieferung, wodurch auch Lkw-Fahrten durch Innenstädte oft nicht notwendig sind. Außerdem bestechen sie durch ihre Lage.

Meist an Durchgangsstraßen gelegen, müssen Kunden keine Extrafahrten planen, sondern können ganz bequem auf dem Weg von der Arbeit oder der Kita dort einen Zwischenstopp zum One-Stop-Shopping einlegen. Ferner spart der Agglomerationseffekt weitere Autofahrten, da die Einkäufe bei mehreren Händlern an einem Ort erledigt werden.

Zeitgemäße Fachmarktzentren stellen ihren Besuchern auch umweltschonende Alternativen bei der Anfahrt bereit, beispielsweise Schnellladesäulen für E-Autos.

Was kann getan werden, um FMZ nachhaltiger zu gestalten?

Das naheliegendste Mittel ist Photovoltaik auf den großen, flachen Dächern der Gebäude. Leider wird der Ausbau durch eine Vielzahl technischer und rechtlicher Hürden erschwert. Zusätzlich kann man über eine Nutzung der Parkplatzflächen für Sonnenenergiegewinnung nachdenken. Die einfache Gestaltung der Gebäude eignet sich auch für das Energiemanagement. So ist etwa eine nachträgliche zusätzliche Wärmedämmung mit vergleichsweise wenig Aufwand zu erreichen. Da die Gebäude wenig Energie verbrauchen, ist Klimaschutz zum Beispiel über Wärmepumpen erreichbar. Auch kann mit naturnaher Gestaltung ein positiver Beitrag zum Mikroklima am Standort geleistet werden. Vernachlässigte Grünflächen können zu artenreichen Wiesen werden, und Bäume können im Sommer auf den Parkplätzen Schatten spenden, was übrigens auch den Kühlbedarf im Objekt verringern kann. Ein professionelles Abfallmanagement trägt ebenso zur Nachhaltigkeit bei. Modernes Facility Management reduziert zudem den Verbrauch an Reinigungsmitteln und ersetzt beim Austausch alte Leuchtmittel durch stromsparende LED-Lampen.

Wie schneidet das Einkaufen im FMZ unter Umweltgesichtspunkten im Vergleich zum Onlineshopping ab?

Beim Online-Einkauf fällt auf jeden Fall mehr Verpackungsmüll an. Aber beim Energieverbrauch der Lieferung etwa ist zu berücksichtigen, wie weit die Entfernung vom und zum Auslieferungslager ist, wie effizient die Routenplanung des Paketdienstes oder die Energiebilanz des Auslieferungsfahrzeugs ist und wie viele Artikel auf einmal geliefert werden. Beim Einkauf in einem FMZ kann die Klimabilanz durchaus vergleichsweise positiv ausfallen. Dies ist überspitzt gesagt zum Beispiel der Fall, wenn ein Centerbesucher in der Nähe wohnt und mit einem vom eigenen Dach aufgeladenen Elektro-Kleinwagen mit Solarenergie seinen Wocheneinkauf tätigt. Wohnt er jedoch weiter weg, fährt mit einem großen Verbrennungsmotor-SUV vor und kauft dabei nur wenige Artikel auf einmal, dann ist die Klimabilanz eher katastrophal.

Das EKZ Mainspitze in Raunheim verfügt neben ausreichend Parkplätzen auch über
30 meist überdachte Fahrradstellplätze. Zudem ermöglicht die gute ÖPNV-Anbindung eine CO2-sparende Anreise.

Wann verursacht Onlineshoppen einen besonders hohen Ressourcenverbrauch im Vergleich zum stationären Einkauf?

Produkte, die es auch im nächsten FMZ gibt, von weit her einzeln online zu bestellen und liefern zu lassen, belastet die Klimabilanz des Einkaufs stark. Beim Kauf von Bekleidung wird mindestens jedes zweite Teil als Retoure an den Händler zurückgeschickt. Das sind täglich rund 800.000 Pakete, und damit werden jeden Tag circa 400 Tonnen CO2 erzeugt. Zudem wird ein Teil der Retouren sofort vernichtet, was ebenfalls nicht nachhaltig ist. Die Rechenzentren, die man für den Onlinehandel braucht, sind außerdem große Produzenten von CO2. Die Rechnerleistung und vor allem der hohe Bedarf an Kühlung verbrauchen viel Energie.

Natürlich kann das Einkaufen im Netz klimaschonender gestaltet werden, etwa indem Einkäufe gebündelt werden, möglichst wenig zurückgeschickt wird, auf regionale Dienste gesetzt wird, vergebliche Zustellungen vermieden werden und nichts im Netz bestellt wird, was es lokal zu kaufen gibt.

Worauf ist bei der Neuentwicklung und Erweiterung von FMZ unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten zu achten?

Der Flächenverbrauch bei Neubauten lässt sich vermeiden, indem auf Brachflächen gebaut wird, anstatt neue Flächen zu versiegeln. Auch sollte Erweiterungen und Modernisierungen bestehender Objekte gegenüber Neubauten der Vorzug gegeben werden. Dann ist auch keine zusätzliche Infrastruktur nötig, die wiederum Flächen und Ressourcen frisst. Standorte, die in Wohn- und Gewerbebezirke integriert sind, können potenziell auch gut zu Fuß oder mit Fahrrädern erreicht werden. Verkäufe von Elektrofahrrädern steigen in Deutschland derzeit exponentiell; damit ist auch die Reichweite von Fahrradeinkäufen gestiegen. Intelligente Planungen berücksichtigen daher Fahrradwege und sehen sichere und überdachte Fahrradabstellplätze und Ladestationen für E-Bike-Akkus vor. Auch der öffentliche Verkehr kann in gut integrierten Standorten stärker einbezogen werden. Grundsätzlich sollten FMZ in möglichst dicht bewohnten und stark frequentieren Gebieten stehen, was kurze Anfahrten erlaubt und vorhandene Frequenzen bestmöglich nutzt.