Involvement – die Chance für den Ladeneinzelhandel

Trotz  beziehungsweise genau wegen der Digitalisierung gewinnt der Ort bzw. der konkrete physische Standort sogar noch an Bedeutung – zumindest, wenn er gut gewählt ist. Die innovative Spitze des internationalen Einzelhandels hat schon längst erkannt, dass Standorte, Lagen und Konzepte vor allem auf das steigende Bedürfnis nach immateriellem Nutzen reflektieren.

Hierzu kann die Treffpunktfunktion eines Ladens oder eines Quartiers zählen, die Möglichkeit, mit dem Besuch dieser Orte und dem Kauf bestimmter Produkte soziales, politisches oder kulturelles Interesse auszudrücken oder einfach Inspiration und Wohlgefühl zu finden. Der Einkauf wird somit Teil der Lebenseinstellung. Das sichtbare Zeichen dieser Entwicklung ist die zunehmende Vermischung der Verbrauchermotive zwischen Kommerz, Kunst und Kultur.

Wirtschaftliche Notwendigkeit von Zusatznutzen

Auf der anderen Seite ergibt sich in saturierten Märkten grundsätzlich die wirtschaftliche Notwendigkeit, neue Bedürfnisse zu wecken und den Kunden zu zusätzlichen Ausgaben zu bewegen. Der immaterielle Zusatznutzen, z.B. in Form von mehr Komfort, mehr Image, mehr Aufmerksamkeit, mehr Individualität, mehr Personalisierung etc., trifft auf ein immer anspruchsvoller werdendes Publikum. Attraktive Einkaufsplätze und Ladenkonzepte sind fester Bestandteil jeder Omni-Channel-Strategie.

Leider passt das Wort „attraktiv“ oftmals nicht zu den Realitäten im deutschen Ladeneinzelhandel, sodass nachlassende Kundenzufriedenheit und abnehmende Frequenzen nicht völlig überraschend sind. Dabei geben die Einstellungen der heranwachsenden Generation Grund zur Hoffnung. In der GfK Global Youth Retail Survey von 2015 wurden junge Menschen zwischen 16 und 21 Jahren in Deutschland sowie neun weiteren Staaten nach ihren Einstellungen zum Einkaufen der Zukunft befragt, um Händlern und Herstellern Orientierungspunkte für ihre langfristige Strategie zu geben.

Die Studie erlaubt also Rückschlüsse auf Shops wie auch Shopper der Zukunft. Die Ergebnisse zeigen, dass der Einkauf in Läden grundsätzlich nicht an Bedeutung verliert und das Ladenlokal unter bestimmten Voraussetzungen künftig sogar als noch kaufentscheidender als heute angesehen wird. Weitere Untersuchungen bestätigen die besondere emotionale und vertrauensbildende Komponente von Ladengeschäften als Visitenkarte eines Unternehmens und seiner Produkte.