Kosequenzen für Standorttypen und Betreiber

Über alle drei hier betrachteten Trendgruppen, Solo Going Professionals, Late Motherhood und Silver Professionals, und alle Standorttypen hinweg, zeigen sich bestimmte Tendenzen der zukünftigen Standortentwicklung.
 
Ladenatmosphäre bindet Kunden
Im FMCG-Bereich werden Vollsortimenter, die sich vor allem durch eine angenehme Aufenthaltsqualität, übersichtliche Verkaufsraumgestaltung bzw. positive Atmosphäre auszeichnen, nicht an Attraktivität verlieren, sondern im Gegenteil von der Zeitknappheit aller Berufstätigen profitieren. Auch in Zukunft wird ein Vollsortimenter grundsätzlich einem Einzelhandelsstandort eine gewisse Robustheit verleihen.

Aktuelle neue Discounter-Konzepte wie von Aldi Süd oder auch Lidl zeigen die zunehmende Konvergenz von Discountern und Vollsortimentern: Die Bemühungen deutscher Discounterbetreiber insbesondere in Bezug auf ein neues Ladendesign dürften bei den drei geschilderten Trendgruppen auch auf positive Resonanz treffen und die Investitionen nicht ins Leere laufen.

Was und wie kommuniziert der Einzelhandelsstandort?
Um am Markt ausreichend Anziehungskraft zu erzeugen, müssen Entwickler und Betreiber von Einzelhandelsstandorten in Bezug auf Design und Außenauftritt mehr auf kommunikative und infrastrukturelle Aspekte achten. Hier stellt sich für Entwickler und Betreiber von Centeranlagen – wie auch für jedes stationäre Einzelhandelsunternehmen – die Frage, wie über den äußeren und inneren Auftritt bzw. die Ausstattung kommuniziert wird und vor allem, welche Botschaften vermittelt werden.

Nach dem Sachinhalt (reiner Ort des Einkaufens und Shoppens), der Appellfunktion des Senders (in unserem Falle des Einzelhandelsstandortes: Kauf dies und jenes ein, lieber Kunde, verweile, komme wieder), der Beziehungsebene (Wie stehe ich als Händler/Centerbetreiber zur Kundschaft? Wie ernst nehme ich den Kunden? Gibt es Beschwerdemanagement?) und schließlich nach der Selbstoffenbarung des Senders (Was will der Einzelhändler? Nur Verkaufen oder nimmt er auch andere Themen wie Nachhaltigkeit oder die soziale Treffpunktfunktion der Einkaufsstätte ernst? Wie positioniert er sich zu bestimmten Themen? Was gibt er neben seinem Angebot sonst noch preis?).

Mit unabhängigem Blick bzw. bei offenem Vorgehen dürfte es ein Leichtes sein, diese vier Analyseaspekte auf die Außenkommunikation von Einzelhandelsstandorten (Grundsätzlich: Wie wirkt dieser auf die Kundin/den Kunden?) anzuwenden. Überwog bis dato der Sachinhalt (vor allem bei discountorientierten Formaten und Fachmärkten), dürften die anderen Kommunikationsebenen in Zukunft an Bedeutung gewinnen, wie weiter oben in Bezug auf das Thema Nachhaltigkeit gezeigt wurde.

Die passende Verbindung unterschiedlicher Nutzungen als positiver Standortfaktor
Weitere Chancen bieten sich in einer noch stärkeren Verzahnung von Einzelhandel, Gastronomie, Service- und Freizeitangeboten. Als Beispiel ist hier abschließend der Ende Mai 2018 in Hamburg-Ottensen (ehemalige Schiffsschraubenfabrik Zeise) eröffnete Rewe anzuführen, der eindringlich zeigt, wie der urbane Vollsortimenter der Zukunft aussehen könnte.

Gestalterisch außergewöhnlich, weist dieser Rewe-Markt bezüglich des Innenausbaus neben historischen Bezügen zur lokalen Industriegeschichte auch moderne Designelemente auf, sodass aufgrund der Kontraste eine sehr attraktive Atmosphäre geschaffen wird. Das Storedesign, das vorwiegend warme Farbtöne zeigt, nimmt zudem auch museale Elemente auf (u. a. Großfotos aus der Zeit, als die Schiffsschraubenfabrik noch Industriestandort war).

Neben mittig auf der Ladenfläche angelegten Frische-, Feinkost- und Convenience-Abteilungen (nebst Backshop bzw. ergänzenden Konzessionären) sowie weiteren handelsgastronomischen Anbietern verfügt der Vollsortimenter über eine Empore für Eventabende. Sie wurde als Zwischenebene über der Frischezone eingerichtet und dient vornehmlich als Gastronomiebereich mit fast 50 Sitzplätzen. Ferner kann die Empore als Veranstaltungsbühne genutzt werden, zudem sind weitere Sitzgelegenheiten im Erdgeschoss des Marktes zu finden.
Insgesamt steht die Funktion des Ladens, auch als (Szene-)Treffpunkt, deutlich im Fokus der Entwicklung.