2. Chancen ergreifen

Veränderungen bieten immer auch Chancen. Daher gilt es, das Produkt Handelsimmobilie unter Nachhaltigkeitsaspekten weiterzuentwickeln. Ansatzpunkte dafür gibt es zahlreiche. Um Neubauten zu vermeiden, kann man etwa auf Refurbishments oder Erweiterungen setzen. Im Zuge solch umfassender Restrukturierungen lassen sich viele Maßnahmen zur nachhaltigen Ausrichtung einer Handelsimmobilie umsetzen. Neben der Erneuerung technischer Anlagen etwa kann auch der Einbau von Photovoltaik auf den Dächern, die naturnahe Gestaltung der Gelände oder die Nutzung von Parkplätzen für die Sonnenenergiegewinnung einen Beitrag zur Nachhaltigkeit von Fachmarktzentren leisten. Dabei muss eine Photovoltaikanlage gar nicht vom Investor eingebaut und betrieben werden. Gute Betreiber haben Partner, die die notwendigen Flächen mieten und eine solche Anlage selbstständig managen. Trotzdem kann der Investor damit gegenüber seinen Anlegern zeigen, dass er Nachhaltigkeit fördert. Vom langfristig preisgünstigeren Grünstrom kann er zudem auch wirtschaftlich profitieren. Denn ab 2021 greift die CO2-Steuer.

Die Center können dabei eine aktive Rolle im gesellschaftlichen Wandel spielen. Auch die Förderung neuer Mobilität durch den Aufbau von E-Ladeinfrastrukturen kann ein Beitrag in diese Richtung sein. Sie bietet Fachmarktzentren viele bisher ungenutzte Potenziale. Center, die ihren Kunden während der Einkaufszeit das bequeme Aufladen ihres E-Autos ermöglichen, können gleichermaßen Frequenzen, Mieteinnahmen und Kundenzufriedenheit steigern und zusätzlich noch zur Imageaufwertung ihrer Einkaufsstätten beitragen. Dies alles zahlt auf Umwelt, Gesellschaft und ökonomische Nachhaltigkeit ein und unterstützt die Einzelhändler vor Ort.

Ähnliche Chancen ergeben sich durch Green Facility Management (Green FM). Dieses reicht vom Energiemanagement und der Nutzung ökologischer Materialien über die Reduktion des Wasserverbrauchs und dem ökologischen Abfallmanagement bis zur Gewährleistung einer guten Raumluftqualität. Mit einem derartig grünen Betrieb können Fachmarktzentren ihre Attraktivität rundum steigern. Denn sie beweisen damit neben ihrem Engagement für die Umwelt auch einen Einsatz für das Wohlbefinden von Centerbesuchern und Mitarbeitern. Green FM sichert daher auch Arbeitsplätze und die Zukunftsfähigkeit von Handelsimmobilien.
Dem Wandel in Richtung Nachhaltigkeit müssten allerdings auch das Bau- und Planungsrecht sowie dessen Auslegung auf kommunaler Ebene Rechnung tragen. Doch nachhaltig ist das Bauplanungsrecht nur dann, wenn es den Handelsstandorten auch genug Spielräume durch Sortimentsanpassungen für die atmende Entwicklung der Center lässt. Nachhaltig geplante Fachmarktzentren verfügen über die Flexibilität der artgerechten Weiterentwicklung und über Möglichkeiten, auf Veränderungen im Markt zu reagieren. Noch trifft dies freilich auf die wenigsten Standorte in Deutschland zu.

Auch hier könnte Corona tatsächlich als Turbo für zukunftsweisende Veränderungen dienen. Denn die durch die Pandemie ausgelösten Verschiebungen zwischen stationärem Handel und E-Commerce erfordern auf der Ebene des Bauplanungsrechts schnelle, zeitgemäße und pragmatische Lösungen, um den Einkauf in den Städten zu sichern und Fachmarktzentren zukunftsfähig weiterentwickeln zu können. Dann blieben die Center auch langfristig sehr attraktive Assets.