4. Nachhaltigkeitsangebote hinterfragen

Nachhaltigkeit ist Langstrecke, kein Sprint. Fachmarktzentren lassen sich daher auch nicht von jetzt auf gleich umweltfreundlich gestalten. Dennoch zahlt sich der Aufbruch in diese Richtung langfristig aus. Neue Wege einzuschlagen, ist dabei ein wichtiger Teil dieser Strecke. Diese sollten jedoch auch stets auf ihre Umweltverträglichkeit geprüft werden. Denn vieles, was im Kontext der Transformation als Lösung für Nachhaltigkeit feilgeboten wird, stellt sich bei näherer Betrachtung als Scheinlösung heraus.

So ist beispielsweise dringend anzuraten, die energetischen Folgen der Digitalisierung auf ihre Umweltbilanz hin abzuklopfen. Rechenzentren, Apps und Videostreaming etwa sind wahre Energiefresser. Dazu kommen die ökologischen Folgen, die der E-Commerce schon längst mit sich bringt – vermehrter Verpackungsmüll, CO2-Ausstoß durch Mehrfahrten oder zusätzliche Umweltkosten aufgrund von Retourenfahrten und höherem Ausschuss.

Demgegenüber können Fachmarktzentren mitunter durchaus besser abschneiden als ursprünglich vermutet – etwa weil sie auf dem Arbeitsweg der Centerkunden liegen und sie per One-Stop-Shopping einen breiten Branchenmix unter einem Dach bieten.

Ein konstruktiv kritischer Blick empfiehlt sich auch bei der Bewertung von Fachmarktzentren in Bezug auf ihre Nachhaltigkeit. Zertifikate oder Siegel geben hier nicht eindeutig Auskunft. Meist offenbart erst der zweite oder dritte Blick, inwiefern ein Nachhaltigkeitslabel tatsächlich ein Indiz für Umweltverträglichkeit und Zukunftsfähigkeit der Immobilie ist. Aussagefähiger ist ein 360-Grad-Check der Objekte hinsichtlich diverser Einflussfaktoren. Dazu gehören die Flächenflexibilität, die Lage der einzelnen Mieteinheiten, vorliegende Objektdokumentationen, Energieausweise, technische Due Diligence und Besucherbefragungen. Nur wer all diese Faktoren – und noch weitere mehr – in seine Bewertung einfließen lässt, kann sich ein realistisches Bild von der wahren Nachhaltigkeit eines Centers machen. Letztlich müssen die Investoren Nachhaltigkeitsindikatoren und Messgrößen festlegen, die mit den Zielen ihrer jeweiligen Anleger in Einklang stehen. In den jährlichen Berichten ist dann entsprechend Rechenschaft über die Erreichung der Ziele abzulegen.

Generell gilt also auch hier: Einfache Lösungen sind nicht immer die besten, und nichts ist rein schwarz oder weiß. Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit empfiehlt sich vielmehr immer ein Herantasten und Abwägen, um neue Wege auszuloten und tragfähige Lösungen zu finden.