Wie entwickelt sich der Onlineanteil am Einzelhandelsumsatz?

 Im Jahre 2015 wurde das Wachstum des Onlinehandels in breiten Kreisen als große Gefahr für den stationären Einzelhandel gesehen. In den Vorjahren bestimmten zweistellige Wachstumsraten die Dynamik im Onlinehandel. Optimistische, meist ungestützte Hochrechnungen projizierten ungeachtet der bereits damals in einigen Teilsortimenten wie Buch und Unterhaltungselektronik erkennbaren Sättigungstendenzen das starke Wachstum weit in die Zukunft. Gleichzeitig kam die Umsatzentwicklung im stationären Einzelhandel ins Stocken. Die über alles drohende Frage war: Welches Ausmaß wird der Internethandel erreichen, und welche Auswirkungen sind damit für den Ladeneinzelhandel verbunden?

Nach moderater Korrektur der Prognose des Jahres 2015 (vgl. FMZ Report 2015, ab S. 53) lässt sich die These aufrechterhalten, dass die Dynamik im Distanzhandel ihren Zenit überschritten hat. Die Einzelhändler können somit mit Ruhe und Umsicht ihre Kanalstrategien planen bzw. überarbeiten, ohne sich sorgen zu müssen, dass die Onlinedynamik sie einholt.

Online entzieht zwar weiterhin dem Gesamtmarkt Kaufkraft, zum großen Teil partizipieren stationäre Händler aber selber vom Onlinehandel. Das GfK Consumer Panel offenbart, dass Filialisten im Textileinzelhandel heute zwischen 20 % und 30 % ihres Umsatzes mit ihren Online-Shops erzielen
Trotz der Verwischung der Kanäle haben Händler, Entwickler und Investoren ein hohes Interesse daran einzuschätzen, wie viel Euro der verfügbaren Einzelhandelskaufkraft in das Internet abfließen und welcher Anteil in der Handelsimmobilie noch gebunden werden kann.

Neben der relativierenden Wirkung des Omnichanneling, wonach der Ladeneinzelhandel auch vom Onlinehandel profitieren kann, gab die Prognose von 2015 den Hinweis, dass die größte und damit unkalkulierbarste Wachstumsdynamik des E-Commerce bereits seinen Höhepunkt erreicht hatte. Die sehr positiven gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben zu einer erfreulicheren Entwicklung des stationären Umsatzes von rd. 1 % statt der ursprünglich angenommenen 0,25 % p. a. seit 2015 geführt. Somit war auch das Distanzhandel-Wachstum dynamischer als angenommen, und zwar rd. 8 % statt 5 %-6 % p. a.
Im Ergebnis ist nunmehr eine etwas dynamischere Entwicklung sowohl beim stationären als auch beim Distanzhandel über die nächsten Jahre zu erwarten.

Anteil Online am Einzelhandelsumsatz,
Prognose 2015/2017
Wachstumsraten,
Prognose 2015/2017