Städtebauliche Ausgangssituation präzise ermitteln

Schaut man auf das zentrale Ergebnis eines Verträglichkeitsgutachtens, ist immer die Frage entscheidend, ob und inwieweit bestehende zentrale Versorgungsbereiche durch die neue Vorhabenplanung strukturgefährdend beeinträchtigt werden. Um genau diese Frage sachgerecht beantworten zu können, reicht es inzwischen nicht mehr aus, Umverteilungsquoten zu ermitteln und kurz zu kommentieren.

Im aktuellen OVG-Urteil wird deutlich, dass bereits die städtebauliche Ausgangslage intensiv zu ermitteln, zu würdigen und zu bewerten ist. Dabei geht es insbesondere um die grundsätzliche Frage, wie stabil und belastbar ein Zentrum aktuell ist. Ferner geht es auch um Indizien, die für eine Vorschädigung und besondere Fragilität eines zentralen Versorgungsbereichs sprechen. Neu ist, dass diesem Aspekt immer mehr Bedeutung zukommt und im Rahmen von Gutachten mehr Raum einnehmen muss.

Hier ist besonderes städtebaulich-stadtplanerisches Know-how gefragt: Denn um allein städtebaulich-funktionale Strukturen, Barrieren – also Hemmnisse im Wegeverlauf der Zentren, die den Frequenzfluss in einem zentralen Versorgungsbereich limitieren – und Defizite zu identifizieren, bedarf es der richtigen Qualifikation, der nötigen Erfahrung und der permanenten Weiterbildung. Allein die Erfassung von Leerständen reicht jedenfalls heute nicht mehr aus.

Fazit: Die städtebauliche Ausgangssituation der zu untersuchenden zentralen Versorgungsbereiche ist künftig noch intensiver zu ermitteln, zu diskutieren und zu bewerten. Denn sie bildet im Grunde den Vergleichsmaßstab für die spätere Gesamtbewertung, in der der Prognosefall (mit dem Vorhaben) der künftigen Situation (ohne das Vorhaben) gegenübergestellt wird.