Analysieren, Bewerten, Handeln - Wie sich Baden-Baden der Krise des lokalen Einzelhandels stellt

Ein hochkarätiges Warenangebot und ein hochkarätiges Stadtbild sind die Stärken der Einkaufsstadt Baden-Baden


Die Krise des lokalen Einzelhandels ist mittlerweile allgegenwärtig. Ladenschließungen, Leerstände, Einbrüche in der Sortimentsvielfalt und eine zunehmende Verödung der Innenstädte sind die Schlagwörter, die landauf und landab die Krise begleiten.
Wer sich mit Einzelhändlern unterhält, spürt die wachsende Unsicherheit und die Zukunftsängste, die viele von ihnen täglich begleiten. Freilich ist einzuräumen, dass die Entwicklung in den jeweiligen Städten unterschiedlich verläuft, dass die jeweiligen Betroffenheiten erheblich voneinander abweichen und insbesondere Städte in ohnehin strukturschwachen Räumen gegen den Abwärtstrend im lokalen Einzelhandel zu kämpfen haben.

Wie dem auch sei – es gibt wohl keine Stadt, in der die aktuelle Krise des Einzelhandels nicht ganz oben auf der kommunalpolitischen Agenda einen Platz hat, so auch in Baden-Baden. Dabei ist einzuräumen, dass die Einkaufsstadt Baden-Baden im Vergleich zu vielen anderen Städten noch auf der Sonnenseite der Einzelhandelslandschaft zu finden ist.

Die dabei vorausgegangene Situationsanalyse deckt sich in vielen Bereichen mit den generellen Ursachen der Krise: Marktsättigung, überproportionales Wachstum des Onlinehandels, Nachfolgeprobleme bei inhabergeführten Geschäften, überdurchschnittliches Mietpreisniveau und sich verändernde Kundenpräferenzen. Spezifisch in Baden-Baden kommen weitere Gründe hinzu: eine durch die extreme Tallage komplizierte Verkehrsführung, tiefgreifende und langdauernde Baumaßnahmen im zentralen öffentlichen Raum. Ferner gibt es ein starkes und ernst zu nehmendes Konkurrenzangebot innerhalb der Region, bedingt durch mehrere umliegende einzelhandelsstarke Mittelzentren und ein Factory Outlet
im grenznahen französischen Roppenheim.

Auf der Grundlage der zuvor skizzierten Situationsanalyse haben die für den Einzelhandel verantwortlichen Akteure mit qualifizierter Begleitung durch ein Fachbüro nach Wegen und Möglichkeiten gesucht, den sich abzeichnenden Negativentwicklungen frühzeitig und wirksam begegnen zu können. Die künftige Gesamtstrategie besteht zum einen aus dem Vermarktungskonzept des innerstädtischen Einzelhandels, zum anderen aus flankierenden Maßnahmen der Stadtverwaltung, die nachfolgend kurz skizziert werden sollen: Das Marketingkonzept des Einzelhandels fokussiert sich sowohl auf lokale als auch auf regionale und überregionale Zielgruppen, die mit unterschiedlichen Vermarktungsinstrumenten angesprochen werden sollen. Bei einem Zentralitätsfaktor von 117 erscheint die Neugewinnung von lokalen Kundenkreisen bedeutend, zumal die entsprechenden Werte der umliegenden Konkurrenzstädte teilweise deutlich darüber liegen. Darüber hinaus soll die Stadt für überregionale Kundenkreise (Tagestouristen, Kurzurlauber) als anspruchsvolle Shopping-Location profiliert werden. Bei der Werbung für internationale  Kundenzielgruppen soll wie bisher auf die touristische Vermarktungskompetenz der hiesigen Marketinggesellschaft zurückgegriffen werden.

Unterstützend flankiert werden die Maßnahmen des Einzelhandels durch eigene Vermarktungsansätze der Stadtverwaltung. Eine empirisch abgesicherte Kundenbefragung kam zu dem Ergebnis, dass das hochwertige und attraktive Stadtbild und die damit verbundene Aufenthaltsqualität in den Augen der Kunden besonders zur Attraktivität des Einkaufsstandortes beitragen. Daher wird sich hierauf auch künftig ein besonderes Augenmerk des kommunalen Handelns richten.