E-Mobilität: Jäger des unentdeckten Schatzes

Die E-Mobilität ist im Moment zweifelsohne das, was man einen Boom-Markt nennt. Sie soll die Welt verändern. Strom ist das neue Öl. Strom elektrisiert wortwörtlich die Menschen und schafft eine Atmosphäre des Aufbruchs.

Was hat das mit Fachmarktzentren zu tun? Viel. Sehr viel sogar. Kaum eine andere Handelsimmobilienklasse bietet mehr Kundenfrequenz als das Fachmarktzentrum – und damit in naher Zukunft die Frequenz tausender E-Fahrzeuge pro Tag. Ein Feld bisher ungenutzter Potenziale und sehr weit ausbaufähiger Mieteinnahmen. Das Laden eines Autos dauert lange, sollte aber als Zusatznutzen während des Einkaufs zeitlich nicht ins Gewicht fallen – das eben bietet ein Fachmarktzentrum. Einkaufen und Laden. Wenn man dann noch den preisorientierten Kunden von Fachmarktzentren mit im Vergleich zu anderen Tankstellen billigerem Ladestrom ein attraktives Angebot macht, können die Center weitere Potenziale entfalten, die den Handelsstandort stärken.

Wie das? Es besteht ein großes, wenn nicht gar fundamentales Problem in der E-Mobilität: Wie sinnvoll ist ein E-Fahrzeug, wenn man keinen Platz zum Laden hat? Die Ladeinfrastruktur, die so dringend für die zahlreichen Fahrzeugmodelle der kommenden Jahre benötigt wird, ist schlichtweg nicht vorhanden. Wir sprechen hier von rund 40 Millionen Fahrzeugen allein in Deutschland, die in den kommenden Jahrzehnten sukzessive durch E-Fahrzeuge ersetzt werden. Momentan müssen sich statistisch gesehen noch mehr als 10.000 Bundesbürger eine einzige Ladestation teilen. Von dem unkomplizierten und schnellen Tankvorgang wie wir ihn seit fast 100 Jahren kennen – also vorfahren, tanken und zahlen –, sind wir noch meilenweit entfernt.

Mobilitätswende ist politisch gewollt

Die Politik erzeugt einen immer größeren Druck und subventioniert die Mobilitätswende in einer bisher unbekannten Größenordnung und Geschwindigkeit. Die deutsche Autoindustrie muss sich der Entwicklung nun beugen und nimmt Investitionen in einer ebenso atemberaubenden Größenordnung vor. Aus diesem Grund sollte jedem klar werden, wie dringend nach geeigneten Standorten gesucht wird, um den Bedarf an E-Ladestationen der kommenden Jahrzehnte zu decken. Eine einmalige Gelegenheit für Fachmarktzentren!

Als potenzieller Vermieter von Ladestationen sollte man jedoch genau betrachten, welche Geschäftsmodelle die aktuellen Betreiber von E-Ladeinfrastrukturen im Moment verfolgen, denn aus diesen lässt sich ableiten, ob sich eine langfristig erfolgreiche Geschäftsbeziehung einstellen kann. Grundsätzlich sind drei Ansätze zu erkennen, die in der derzeitigen Marktphase populär sind.

Erstens gibt es die an Autobahnen aufgebauten High-End-Infrastrukturen, die auf eine solvente Klientel von Early Adopters abzielen, für die E-Mobilität ein Statement des eigenen Status ist. Zweitens gibt es das Angebot für private Eigenheimbesitzer, wobei den Energieversorgern bekannt ist, dass das bisher ausgebaute Stromnetz in ganzen Straßenzügen zusammenbricht, wenn nur wenige E-Fahrzeuge zu Hause ans Netz gehen. Drittens gibt es kommunale Projekte, die man mit Fug und Recht chaotisch nennen darf, weil an öffentlichen Stellen wie Anliegerstraßen E-Ladestationen aufgebaut werden, nur weil es zufälligerweise dort durch das vorhandene Stromnetz gerade möglich ist. All diese Optionen vernachlässigen schlichtweg die größte Zielgruppe, nämlich die überwältigende Mehrheit der Bundesbürger, die sich nicht jeden Tag auf der Autobahn bewegt, kein Eigenheim besitzt und ebenso kein Verlangen danach hat, weit weg von ihren üblichen Autofahrten eine Stunde wertvolle Lebenszeit zu vergeuden, nur um zu tanken.

Hier kommt das Fachmarktzentrum ins Spiel. Es bietet eine Fülle zwingender Erfolgsfaktoren, die für die Verbreitung der E-Mobilität unschlagbar sind – jetzt und in Zukunft. Jeden Tag kommen in Deutschland Millionen von Verbrauchern für ihren Einkauf etwa eine Stunde im Durchschnitt an die Standorte. Diese Verbraucher fahren zu 70 bis 80 Prozent mit dem Auto und parken während ihres Einkaufs auf weiträumigen, sauberen und sicheren Parkplätzen.

Jeden Tag kommen in Deutschland Millionen von Verbrauchern für ihren Einkauf etwa eine Stunde im Durchschnitt an die Standorte

Es fällt schwer, vergleichbare Standorte zu finden, die im Durchschnitt so viele Menschen und Fahrzeuge täglich binden und so gute infrastrukturelle Voraussetzungen bieten. Denn zusätzlich zu dem (Park-)Platz und der gegebenen Verweildauer der Kunden können die Center mit einer exzellenten, weil industriellen Strom-Infrastruktur auftrumpfen, die über das Wohl und Wehe einer E-Ladeinfrastruktur in Zukunft entscheiden wird.

Fachmarktzentren bringen also überragende Voraussetzungen als Anbieter von E-Tankstellen mit. Ihr Potenzial, ihre Größe und ihre kontinuierliche Kundenbindung sind entscheidende Faktoren für den Erfolg der E-Mobilität im Wettbewerb.

Zusätzlich kann die E-Mobilität zum Frequenztreiber für die Fachmarktzentren werden, weil die Besucher es eben mögen, wenn sie das Einkaufen und das Tanken leicht und bequem miteinander verbinden können. Das führt mittelfristig zu einer höheren Bindung und einer ebenso höheren Konversionsrate.

Durch all diese wechselseitigen Vorteile können Fachmarktzentren mit den Ladestationen ihre Gesamtattraktivität enorm steigern – bei Kunden, Mietern und Investoren. Ferner haben sie die Chance, zugleich eine ernstzunehmende Alternative zu E-Tankstellen zu werden.

Seit Jahrzehnten gibt es an vielen großen Fachmarktzentren auch normale Tankstellen. Wenn die Center dieses Potenzial erkennen, werden sie sich in der Nachhaltigkeitsdebatte als wahre Hidden Champions erweisen, die im Sinne von Environment, Social, Governance gleich dreifach punkten: mit Beiträgen für die Umwelt, für die Gesellschaft und für die ökonomische Nachhaltigkeit.