Onlinehandel nicht ursächlich für Mallsterben in den USA

Es wird gerne behauptet und als Beleg für die disruptive Kraft des Onlinehandels herangezogen, dass der Onlinehandel zum Mallsterben in den USA geführt habe. Das stimmt nur leider überhaupt nicht. Das Mallsterben in weiten Gegenden der USA speist sich aus ganz anderen Quellen.

Der Niedergang der Schwerindustrie im amerikanischen Kernland, dem sog. Rustbelt, sorgte für erhebliche Einkommensverluste. Die Arbeiter in der Stahl- und Automobilindustrie verdienten im Schnitt $42.000 p. a. Ihre Jobs brachen weg und wurden u. a. durch Jobs im Einzelhandel ersetzt. Dort liegt der Durchschnittsverdienst bei ca. $ 23.000 im Jahr.

Die Folge der massiv gesunkenen Einkommen waren natürlich entsprechende Kaufkraftverluste. Zudem führte der Verlust der Industriearbeitsplätze zu einer umfassenden Binnenmigration in den USA.

Ein weiterer Faktor für das Mallsterben war die hohe Dichte an Malls. Gab es 1960 ca. 3.000 Malls, waren es 2010 ca. 40.000. Die Kaufkraftverluste wirkten sich bei der der hohen Anzahl an Malls entsprechend umfassend und zerstörerisch aus.

Der Umgang mit Digitalisierung am besten gelingt, wenn er unaufgeregt, faktenbasiert und nüchtern ist. Die großen Veränderungen, welche die kontinuierliche Evolution mit sich zieht, implizieren auch, dass man rechtzeitig Willens sein, im notwendigen Umfang alte Gewohnheiten und (Schein-) Gewissheiten schonungslos über Bord zu werfen.

Das zeigt sich auch, wenn man einen Blick auf die mit Fachmarktzentren verbundenen Akteure wie Verbraucher, Investor, Betreiber, Händler oder FM-Dienstleister aus der Perspektive der Digitalisierung wirft. Wie oben geschrieben, geht es bei der Digitalisierung im Bereich Handelsimmobilien um Technologien, die den Kontakt zum Endverbraucher (B2C) herstellen, ebenso wichtig sind aber Technologien, die im B2B Kontext oder rein innerbetrieblich eingesetzt werden können.