Ursachen für Revitalisierungsbedürftigkeit

Viele Fachmarktzentren in Deutschland wurden in den 1990er-Jahren gebaut. Diese Center sind am Ende ihres baulichen Lebenszyklus angekommen. Der aktuelle Zustand vieler Fachmarktzentren entspricht weder den heutigen noch künftigen Anforderungen, wenn es um die Funktionalitäten für Händler und Verbraucher geht. Der Einzelhandel hat seine Anforderungen an diesen Immobilientypus geändert. Die aktuelle Flächenaufteilung in den überwiegenden bestehenden Fachmarktzentren entspricht nicht mehr dem gegenwärtigen Bedarf der meisten Mietpartner. SB-Warenhäuser und Unterhaltungselektronikmärkte suchen tendenziell kleinere Mieteinheiten, Textilfilialisten benötigen hingegen heute deutlich mehr Fläche. 

Ganz aktuell wirkt sich die Flächenbereinigung bei Baumärkten aus. Die Insolvenz von Praktiker Ende 2013 ist beispielhaft für die Marktbereinigung einer ganzen Branche und der damit verbundenen strukturellen Veränderungen von Fachmarktzentrum-Standorten. Die IVG erwartet, dass das Segment der Baumärkte bis 2015 um bis zu 3,3 Mio. m2 schrumpfen wird. 

Das SB-Warenhaus als Handelskonzept muss sich ebenfalls weiterentwickeln. Die Gründe:

  • Durch demografischen Wandel und schrumpfende durchschnittliche Haushaltsgröße ist der Bedarf an traditionellen Großeinkäufen tendenziell sinkend,
  • Die Konkurrenz für Vollsortimenter ist durch die in den letzten Jahrzehnten stark gewachsene Anzahl von Einkaufszentren und das zunehmend verdichtete Netz von Lebensmitteldiscountern sehr groß geworden.

Das Ergebnis werden mittelfristig kleinere Flächenbedarfe für SB-Warenhäuser sein. 

Der Einfluss E-Commerce auf Fachmarktzentren ist zurzeit schon teilweise absehbar, da z. B. Fachmärkte für Unterhaltungselektronik und für Schuhe unter dem Wettbewerb mit Onlineanbietern zu leiden haben. Die Anbieter für den Versorgungseinkauf werden davon auch künftig wohl eher nicht in Mitleidenschaft gezogen. Aber genauso erfordern die Verbraucher und die Änderungen ihrer Lebensgewohnheiten teils erhebliche Anpassungen von Handelsimmobilien. Die Arbeitswelt verändert sich: Der Anteil berufstätiger Frauen steigt und wird weiterhin zunehmen, die Übergänge zwischen Arbeitszeit und Privatzeit werden fließender. Zeit ist immer ein knappes Gut, und die enorme Zunahme an Freizeitangeboten verknappt dieses Gut weiter. Das bedeutet, dass Bequemlichkeit auch beim Einkaufen eine immer wichtigere Rolle spielen wird. 

Andererseits ist Einkaufen/Shoppen eine immer wichtiger werdende Freizeitaktivität. Daher sind die Erwartungen an Aufenthaltsqualität, Atmosphäre etc. so gestiegen, dass viele noch nicht modernisierte Center in absehbarer Zeit nachrüsten müssen, um im Wettbewerb bestehen zu können. Auch der Mieterbesatz vieler Standorte wird angepasst werden müssen, u. a. durch mehr Shops als bisher. Die Ursachen des Revitalisierungsbedarfs sind also sehr vielschichtig. Aufgrund der Marktanforderungen wird klar, dass der Anpassungsdruck für Fachmarktzentren zunimmt. Es stellt sich also die Frage, wie man anhand relevanter Kriterien rechtzeitig erkennen kann, ob ein Center revitalisierungsbedürftig ist. Mehr dazu finden Sie hier